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Fotos: Bernd Horstmann
 

Schlacht bei Minden ebnete Weg zum geeinten Europa
Festwochenende zum 250. Jahrestag mit Herzog-von-Braunschweig-Mahl gestartet

Von Carsten Korfesmeyer

Ganz im Zeichen von Frieden und Freundschaft sind am Donnerstagabend die Feierlichkeiten zur „Schlacht bei Minden“ eröffnet worden. Rund 350 Gäste nahmen am Herzog-von-Braunschweig-Mahl, ausgerichtet vom Mindener Bürgerbataillon, teil – und alle Redner stellten klar: Es folgen ein paar tolle Tage.

Die wunderschönen musikalischen Beiträge der „Minden Band of the Queens Division“ sowie die eindrucksvollen Beiträge des Augenblick-Theaters zeigten schon zum Auftakt, dass es ein Fest voller Harmonie werden wird. Dass die Geschehnisse vom 1. August 1759 mehr als 10 000 Tote gefordert hatten, verschwieg niemand. „Wir möchten das Bewusstsein für diese Schlacht, die politisch von großer Bedeutung war, am Leben erhalten“, sagte Stadtmajor Klaus Piepenbrink unter dem großen Schirm auf dem Kleinen Domhof. Was vor 250 Jahren passiert sei, dürfe nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Schon deshalb sei es wichtig, daran zu erinnern.

Dass vorrangig Briten den damaligen Sieg der Verbündeten über die Franzosen feiern, hat nach Worten des Stadtmajors seinen guten Grund. Dadurch habe man die nordamerikanischen Besitzungen gewinnen können – und auch Indien soll durch den Sieg in Minden gesichert worden sein. „Der Name Minden hat in der britischen Geschichte noch heute einen wohlbekannten Klang“, sagte er. Ganz besonders das Tragen einer Rose erinnert an die Schlacht. Mit den Blumen aus den Gärten des Mindener Landes sollen sich die Soldaten nach ihrem Sieg geschmückt haben.

Wer in der Veranstaltung des Mindener Bürgerbataillons und der Minden-Marketing ans Rednerpult trat, unterstrich diese Worte. Landrat Dr. Ralf Niermann sieht in den Feierlichkeiten eine „Veranstaltung von nationaler Dimension“ und eine „einmalige Gelegenheit“, die lange Freundschaft zwischen Briten, Franzosen und Deutschen ganz besonders deutlich zu machen. „Wir haben in den nächsten Tagen ein Angebot mit Hauptstadt-Niveau“, sagte Niermann. Das Herz von NRW schlage in Minden.

Major General Adrian Bradshaw schlug in die gleiche Kerbe. „Es ist mir eine Ehre, bei dieser Veranstaltung dabei sein zu dürfen“, sagte der Kommandeur der 1. britischen Panzerdivision. Er stellte die Friedensbotschaft der Feierlichkeiten heraus, denn: Ohne die Schlacht bei Minden hätte es den europäischen Einigungsprozess möglicherweise nicht gegeben. Nach seinen Worten lasse sich somit eine Brücke von 1759 bis heute schlagen.

Und dieser Brückenschlag war Thema des Festvortrags, den der Mindener Bundestagsabgeordnete Steffen Kampeter hielt. Er, der sich 2008 mit FDP-Chef Guido Westerwelle einen politischen Streit über die Bedeutung der Schlacht geliefert hatte, sieht auch die letzten Zweifler überzeugt. Der CDUPolitiker sprach von Weltgeschichte – und auch Westerwelle habe sich von seiner damaligen Aussage „Pipifax-Schlacht“ längst distanziert.

Kampeter sieht ein „geistiges Band“ zwischen damals und heute. Man habe seine Lehren ziehen können – und das geeinte Europa sei die einzige richtige Antwort auf die Kriege der Vergangenheit. Er erinnerte an Preußen sowie die Zeit der britischen Streitkräfte in Minden. In diesen Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg sei Freundschaft und gegenseitiger Respekt entstanden. „Wir entwerfen auch eine Brücke des Respekts vor der Unterschiedlichkeit von Menschen aus verschiedenen Nationen.“

Ferdinand Herzog von Braunschweig, der maßgeblich mit der Schlacht bei Minden in Verbindung steht, wurde den Festmahlsgästen näher gebracht. Kampeter nannte ihn einen „Mann von Maß und Mitte“, aber auch ein warnendes Beispiel für die Gefahren des schlechten Wirtschaftens, denn: Als dieser 1766 um die Entlassung aus dem preußischen Dienst gebeten hatte, war er unverheiratet und vermögend. Als er 26 Jahre später starb, hinterließ er nur Schulden. „Manch einer schafft das heute in weniger als 26 Tagen“, sagte Kampeter in Anlehnung an die Wirtschaftskrise.

Dass es dem Herzog sicher nicht gefallen hätte, am Donnerstagabend „die Sau rauszulassen“, stellte der Politiker ebenfalls heraus. Denn Schweinefleisch habe einst für die gehobene Küche gestanden. Doch das Bürgertum habe sich kulinarisch längst emanzipiert – und deshalb rief er in der Veranstaltung dazu auf, die „Sau rauszulassen“, die beim traditionellen Herzog-von-Braunschweig- Mahl die Hauptspeise darstellt.