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Fotos: Bernd Horstmann und Alexander Pischke


 

Freundschaft und Frieden im Blickpunkt
Festakt zum 250. Jahrestag der „Schlacht bei Minden“ - Wichtig für Europa

Von Carsten Korfesmeyer

Mit dem Festakt hatten die Feierlichkeiten zur „Schlacht bei Minden“ einen weiteren besonderen Höhepunkt erreicht. Rund 1500 Menschen verfolgten die imposante Veranstaltung auf dem Simeonsplatz, an der auch NRW-Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers teilnahm.

Als der Landesvater ans Rednerpult trat, lag die Schlacht nahezu auf die Stunde genau 250 Jahre zurück. Mehr als 10.000 Menschen hatten am Morgen des 1. August 1759 den Tod gefunden – und daran erinnerte Rüttgers besonders. „Weil wir nur dann ermessen können, was es bedeutet, dass wir in Europa seit Jahrzehnten in Frieden und Freiheit leben können.“ Außerdem sei man seit 50 Jahren in einer wirtschaftlichen und politischen Union vereint. „Das ist die Botschaft, die vom heutigen Tag, die von Minden ausgeht.“

Die Freundschaft zwischen Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden stellte der Ministerpräsident an vielen Stellen heraus. Rüttgers beschränkte sich dabei nicht nur auf die „Schlacht bei Minden“, sondern ging auch auf die gesamte europäische Entwicklung seit jener Zeit ein. Kriege habe es nach 1759 noch viele gegeben, aber das Europa der Kriege sei längst vorbei. „Unsere europäischen Freunde haben uns die Hand zur Versöhnung, zur Freundschaft und zur gemeinsamen Zukunft ausgestreckt.“ Das sei keineswegs selbstverständlich gewesen.

Rüttgers nannte den 250. Jahrestag einen „Tag zum Feiern“. Er sei dafür dankbar, dass es Schlachtfelder in Europa nur noch als Kunstprojekte gebe – und dass Rosen nicht mehr Ausdruck des Sieges, sondern des Friedens seien. In seiner Rede bezog der CDU-Politiker auch persönliche Erlebnisse mit ein. Als er 1965 im Alter von 14 Jahren an einem Schüleraustausch teilnahm, habe er Frankreich lieben gelernt. Es sei zu seiner zweiten Heimat geworden und: „Ich empfinde es als großes Privileg, dass ich zur ersten Generation junger Frauen und Männer gehöre, die als Freunde ins Nachbarland kamen.“ Frühere Generationen waren noch verfeindet.

Daran hatte zum Auftakt auch Bürgermeister Michael Buhre erinnert. Er appellierte, diesen Jahrestag zur Völkerverständigung zu nutzen. Das Motto „Forever Friends in Europe“ stehe für die Ziele der europäischen Charta. „Wir feiern heute einen gemeinsamen Sieg – den Sieg von Freundschaft, Begegnung und Frieden“, sagte Mindens erster Bürger.

1759 war Europa noch viele Lichtjahre von einer Einigung entfernt. Das „Augenblick Theater“ holte diese Zeit zurück – und zeigte, wie es am 1. August jenes Jahres in Minden zugegangen sein dürfte. „Die Menschen gingen ungeachtet der Ereignisse ihrer Arbeit nach“, erzählte eine Darstellerin. Dennoch waren Angst, Schrecken und Gewalt gegenwärtig. Eindrucksvoll schaffte es das Ensemble, die Atmosphäre jenes Tages auf den Simeonsplatz des Jahres 2009 zu tragen. Mancher im Publikum wird nach dieser Vorstellung besser verstehen, wie sich die Bevölkerung fühlte.

Zwischen den Reden und Aufführungen wurden die Nationalhymnen Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs gespielt. Sie machten die Kernbotschaft der Festwoche noch einmal deutlich – und als zum Schluss die Europahymne erklang, dürften es auch die letzten gemerkt haben. Man feiert den Frieden und die tiefe Freundschaft der Länder in Europa.

Major General Mungo Melvin vollzog in seinen Worten einen Brückenschlag in das Jahr 2009. Der Befehlshaber des Britischen Unterstützungskommandos stellte heraus, dass Truppenteile dieser drei Staaten mit anderen Nato-Ländern in Afghanistan im Einsatz seien. „Er ist genauso bedeutungsvoll wie der in Minden vor 250 Jahren“, sagte er – und betonte anschließend, dass sich die britischen Streitkräfte seit Ende des Zweiten Weltkriegs immer als Partner und gute Freunde aller beteiligten Länder gesehen haben.

Auch Bernard Chappedelaine als stellvertretender Botschafter Frankreichs nannte die europäische Geschichte eine „Geschichte von Kriegen“. Doch man habe daraus Lehren gezogen, so dass der Aufbau funktioniere. Innerhalb von nur drei Generationen habe man einen Raum des Friedens, des Wohlstands und der beiderseitigen Verständigung geschaffen. „Der in der Welt seinesgleichen sucht“, sagte Chappedelaine.

Die imposanten motorisierten „Firebirds“ sorgten auf dem Simeonsplatz für Hingucker- Effekte – und machten Appetit auf die Veranstaltung in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Für eine Überraschung sollte dann noch ein Flugzeug sorgen, das über dem Veranstaltungsgelände gelbe Rosen abwirft. Doch die Blumen verfehlten ihr Ziel um 200 Meter. Das hat bei diesem perfekten organisierten Festakt aber niemanden gestört. Mit der Europahymne der fünf aufmarschierten Orchester - Minden Band of the Queens Division, Heeresmusikkorps 12, Garde Imperiale de Dijon, Musikverein Ommersheim und Oud-Leden Fanfarenkorps Der Genies – schloss die Feierstunde vor dem Preußen-Museum