Stadthalle "sehr lebendig"
2010 mehr als 50 Veranstaltungen


"Totgesagte leben länger" - dieses Sprichwort ließe sich auch auf die Stadthalle Minden übertragen. Denn mittlerweile mehr als fünf Jahre wird die Veranstaltungshalle an der Lindenstraße mit dem Ende 2005 neu gestarteten Konzept betrieben - und das mit weiter steigenden Veranstaltungszahlen. 2010 wurde die Halle, die bei Konzerten bis zu 860 Zuschauer fasst, mehr als 50 Mal genutzt. Das berichtet Joachim Schmidt, Geschäftsführer der Stadthalle Minden Betriebsgesellschaft, die bei der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (MEW) angesiedelt ist, in einem Gespräch.
 

In den vergangenen fünf Jahren seien, so Schmidt, deutlich über 300.000 Euro von der GmbH in die Stadthalle - vor allem in Brandschutzmaßnahmen - investiert worden. Geplant sind weitere Investitionen in die Licht- und Tontechnik, den Vorhang, der nicht mehr brandsicher ist, und die Instandsetzung des nicht funktionierenden Lastenfahrstuhls. Auch müssen weitere Brandschutzauflagen, zum Beispiel an der Rolltreppe, erfüllt werden. Alle Kosten werden zurzeit berechnet, so Schmidt.

Die Stadthalle sollte im Frühjahr 2005 nach einem Beschluss des Rates geschlossen werden, wenn kein alternatives und kostenentlastendes Betreiberkonzept vorliegt. Die Stadt hat zu diesem Zeitpunkt jährlich mehr als 300.000 Euro Verlustausgleich übernommen. Derzeit sind es 96.000 Euro, die an die Betriebs-GmbH fließen. "Ein Großteil der Summe sind Betriebskosten, die die Stadt als Teileigentümer entrichten muss. Diese Kosten sind auch zu tragen, wenn die Stadthalle geschlossen wäre", macht Geschäftsführer Schmidt deutlich.
 
Bewirtschaftet wird die Einrichtung, die im Eigentum der Stadt Minden ist, seit Dezember 2005 von der Mindener Gastronomie GmbH, die sich aus den beiden Hoteliers Marcus Henninger (Victoria Hotel) und Dr. Eberhard Pudenz (Hotel Bad Minden) zusammensetzt. Ansprechpartner für interessierte Nutzer ist die Minden Marketing GmbH, die auch den Veranstaltungskalender der Stadthalle führt.

"Die Stadthalle ist ganz und gar nicht tot, sondern sehr lebendig", betonen auch die beiden Hoteliers, die sich darüber ärgern, dass immer wieder Schließungsgerüchte gestreut werden und dass häufig falsche Zahlen für die Nutzung der Halle im Umlauf sind. "Die Grundgebühr für die Nutzung der Halle beträgt aktuell 613,47 Euro brutto", so Pudenz. Hinzu kommen Kosten für die Reinigung (im Durchschnitt 400 Euro), fürs Stühle- und Tische-Rücken sowie Bühnenumbau und Aufbau/Rückbau der gastronomischen Ausstattung (300 bis 600 Euro) sowie eine Pauschale in Höhe von 250 Euro für die Gastronomie GmbH. Bei Veranstaltungen mit Musik muss zudem ein Betrag an die GEMA entrichtet werden. Auch werden besondere Wünsche - wie zum Beispiel den Flügel auf die Bühne stellen - extra berechnet.
 
"Das heißt, dass zum Beispiel ein Verein für die Nutzung der Stadthalle derzeit im Schnitt rund 1.850 Euro netto zahlt, wenn es keine zusätzlichen Extras gibt", fasst Marcus Henninger zusammen. Die Summe habe sich in den vergangenen Jahren erhöht, weil Mindestlöhne für Reinigungskräfte und Aufbau-Helfer gezahlt werden müssen. Auch schlagen die weiter verschärften Auflagen des Brandschutzes und der Versammlungsstätten-Verordnung (nach der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg) zu Buche. So müssen mindestens zwei Feuerwehrleute als Brandwache eingesetzt werden - wenn der Vorhang hängt, sogar vier - und es muss ein geprüfter Sachverständiger als Veranstaltungsleiter (pauschal ca. 200 Euro netto) anwesend sein.
 
Mit der Insolvenz des Betreibers der Obermarkt-Passage (SECUR) hat sich auch in der Berechnung der Parkkosten einiges geändert. So gibt es keine Vergünstigungen mehr für Besucher von Veranstaltungen, was ebenfalls für viel Kritik gesorgt habe, so Henninger. Zudem müsse jetzt ein Betrag an den Wach- und Schließdienst der Passage für Veranstaltungen entrichtet werden, die werktags nach 22 Uhr enden oder sonntags stattfinden. "Auch das muss an die Nutzer weitergegeben werden", erläutert Hotelier Eberhard Pudenz. Auf beides - Parkgebühren und Kosten für Schließdienst - haben Betriebs- und Gastronomie-GmbH keinen Einfluss. Es werde jetzt versucht, verbesserte Rahmenbedingungen mit dem Betreiber der Obermarktpassage auszuloten, so Geschäftsführer Schmidt.
 
Wunsch beider Gesellschaften ist es, eine "funktionierende und attraktive Stadthalle" zu haben und zu betreiben. Wenn die notwendigen Investitionen in Technik, Vorhang, Lastenaufzug und Rolltreppe umgesetzt sind, sehen die beiden Hoteliers auch mehr Chancen, künftig größere Kongresse nach Minden zu holen oder die Stadthalle intensiver an Firmen für Veranstaltungen zu vermarkten.
 

 
14.04.2011