Zur Geschichte der Post- und Ansichtskarte

Auf der Karlsruher Postkonferenz im Jahr 1865 wurde durch den damaligen Oberpostrat Heinrich Stefan die Einführung einer „Correspondenzkarte“ vorgeschlagen, die den Brief durch einen kurzen Mitteilungstext in Teilen ablösen sollte. Merkmale dieser Karte waren, dass auf der einen Seite die Adresse, auf der Rückseite der Mitteilungstext für den Empfänger zu lesen war.

In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden diese Merkmale vom Weltpostverein für alle ihm angehörenden Staaten übernommen. Zu diesem Zeitpunkt begann durch die Fortschritte im Buch- und Druckwesen die Lithographie für die Ansichtskarte eine wichtige Rolle zu spielen. Anfangs in schwarz-weiß, dann handcoloriert und später maschinell coloriert, erlebte die Postkarte mit stilisierten Ansichten von Städten, Gebäuden und Ausflugslokalen ihren Siegeszug um die Welt. Durch weitere technische Fortschritte kamen ab 1895 die ersten Farb- oder auch Chromolithographien auf den Markt. Ebenfalls 1895 wurde der Abdruck von Fotografien möglich, die drucktechnisch ab etwa 1900 auch coloriert als Ansichtskarten in die Verkaufsläden kamen. Auf der Weltpostkonferenz im Jahr 1904 beschloss man die Veränderung der Post- und Ansichtskarte, die bis heute, abgesehen von den Größenverhältnissen, ihre Gültigkeit hat. Ab 1905 wurde die Adressenseite der Ansichtskarte geteilt, wobei die linke Seite dann für die Mitteilung zur Verfügung stand. Bis dahin erfolgten die Mitteilungen ausschließlich im Bildteil der Karte. Post- und Ansichtskarten hatten damals die Bedeutung eines Telefongesprächs, denn der „Fernsprecher“ war ausnahmslos den wohlhabenden Bürgern vorbehalten. Dazu kam, dass die Post dreimal pro Tag Briefe und andere Mitteilungen zustellte und eine Sendung im Reichsgebiet nicht länger als 24 Stunden bis zur Zustellung benötigte. Zu dieser Zeit wurden auf den verschickten Briefen und Karten noch Abgangsdatum und Uhrzeit sowie Eingangsdatum und Uhrzeit am Empfängerort gestempelt. Hochburgen der Ansichtskartendruckerei waren Leipzig, Berlin, Dresden, München und Darmstadt. Schätzungen besagen, dass im Deutschen Reich zu Anfang des 20. Jahrhunderts 750 Millionen Ansichtskarten gedruckt worden sind.

Ansichtskarten in Deutschland, Herbert Schwarzwälder
Deutschland um die Jahrhundertwende, Helga Königsdorf

© Thomas Ahlert 1998/2003