Die
Stadt Minden in Ansichtskarten
Für
Minden trifft die vorher beschriebene Entwicklung der Ansichtskarte
genauso zu. Der bekannteste Ansichtskartenverlag war der von Gustav
Kaulmann, bis 1917 Inhaber der Bahnhofsbuchhandlung. Zu den weiteren
bekannten Verlagen dieser Stadt zählten die von Gustav Schander, Max
Volkening, Franz Knapp, Adolf Böhning, Leonhardy & Co., Hermann
Lamprecht, Christian Bachmann und der Verlag Semmy Samuel. Daneben
tummelten sich noch rund ein Dutzend weiterer Verlage aus dem gesamten
Reichsgebiet. Der bekannteste auswärtige Verlag war der der Firma
Lederbogen aus Halberstadt. Ebenso bekannt war der Cramer Verlag aus
Dortmund und Reinicke & Rubin aus Magdeburg. Die Vielfalt der
damaligen Ansichtskarte wird daran deutlich, dass es neben den bekannten
Stadtmotiven ebenfalls Karten von jedem Strassenabschnitt gab.
Wohlhabende Bürger ließen sich sogenannte Hauspostkarten von ihrem
Eigentum drucken. Dasselbe galt auch für Firmen, Hotels, Gaststätten,
Ausflugslokale und Einzelhändler.
Das
Ende dieser Blütezeit der Ansichtskarte kam mit dem Ersten Weltkrieg.
Die Hauptmotive der Stadt und die Militärbauten wurden auf der
Ansichtskarte „treu-deutsch“ mit schwarz-weiß-rotem Rand gedruckt.
Seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts beschränkte sich das
Angebot auf die noch heute bekannten Motive. Hotels und Gaststätten ließen
aber auch weiterhin ihre Hauspostkarten verlegen. Die Mehrheit der
Stadtmotive und Hauspostkarten wurde von dem Mindener Fotografen Adolf
Effenberger verlegt und vertrieben. Kleiner Stückzahlen verlegten die
Mindener Fotografen
Hans Kastel und Emil Zenker. Dies blieb bis zum Zweiten Weltkrieg
so, mit dessen Ende ein erneuter Einschnitt in die Vielzahl der
Ansichtskarte kam.
Mit
dem Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts
tauchten neue Verlage für die Karten, wie Hans Wagner, Vlotho, Andres
aus Hamburg, Schönigh aus Lübeck und weiterhin Cramer aus Dortmund in
Minden auf. Ende der fünfziger Jahre gab Adolf Effenberger aus Altersgründen
an seinen Nachfolger Klaus Vogel ab, der ihn aber nur wenige Jahre
weiterführt. Das heutige Angebot bezieht sich fast ausschließlich auf
touristische Motive. Das Aussehen der Ansichtskarte erfährt seit ca. fünf
Jahren eine deutliche Wandlung und macht sie wieder interessant für den
Betrachter. Hauspostkarten aus dem Bereich der Kernstadt gibt es, soviel
dem Verfasser bekannt, derzeit nur eine.
Adressbücher
der Stadt Minden, KAM und Thomas Ahlert
©
Thomas Ahlert 1998/2003