Fotos: Bernd Horstmann


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Feuerwerk der Turnkunst 2010
„Body Talk“ oder die Illusion der Leichtigkeit

„Meinen Körper wirst Du reden sehen“ – die Textzeile des Titelsongs „Body Talk“ der 23. Feuerwerk der Turnkunst Tournee, nahm vorweg, was sich im Laufe des Abends in jeder einzelnen Darbietung wiederfinden sollte. Überall sprechende Körper, kraft- und gefühlvoll, harmonisch und tempogeladen, atemberaubend und rührend zugleich, und dazwischen ein einziger Künstler, der auch verbal mit Witz und Charme zum restlos begeisterten Publikum spricht.

Jens Ohle führt mit ausgefeilter Verbalakrobatik und gut gelaunt durch das Programm, zieht das Publikum direkt in die Show hinein, jongliert zwischen den Zuschauerreihen und zeigt mutige Leiteraktobatik. Er ist der sprechende Beweis dafür, dass es Regisseurin Heidi Aguilar zusammen mit dem internationalen Ensemble auch bei der Neuauflage von Europas größter und erfolgreichster Turnveranstaltung gelungen ist, mit hinreißenden Choreografien bezaubernde und bewegende aber auch begeisternde und spektakuläre Momente zu schaffen. Seien es die wagemutigen Vorführungen der Groupe Novikov, die sich vom Dreifach-Reck aus atemberaubender Höhe mit Überschlägen in die Tiefe stürzen oder die eigenwilligen Noten des National Danish Performance Teams, die auf der Tumblingbahn nach dem Dirigentenstab ein wahres Feuerwerk an Mehrfachsalti präsentieren und als Lausbuben ein Sofa zum Minitrampolin umfunktionieren oder auch die Breakdancer der B-Boy Crew, die mit unnachahmlich tempogeladenen Hand- und Kopfdrehungen beeindrucken – sie alle brachten die Göttinger Lokhalle zum Toben.

Dass das Thema „Body Talk“ sich besonders in den ruhigeren Darbietungen verkörpern lässt, zeigen die unzähligen gefühlvollen Übergänge der NTB-Showgruppe, die mal in einer Kombination aus Tanz und Akrobatik, mal als ein einziger pulsierender Körper die Zuschauer in ihren Bann ziehen. „Öffne deine Augen“ heißt es in einer Textzeile des Titelsongs, und wer dies tut, sieht bei den Sportakrobratik Vizeweltmeistern Anastasia Gorbatyuk und Alexander Barleben einzigartige Harmonie und in der eigentlich kraftvollen Seitpferd-Darbietung der niedersächsischen Bundesligaturner unbeschreiblich viel Gefühl. Wer hingegen sein Herz öffnet, der erkennt im Tanz des Kanadiers Hugo Noel mit dem Cyr-Ring eine Liebeserklärung an das Turngerät und lässt sich schließlich durch die menschliche wehende Flagge Dominic Lacasse von der Illusion der Leichtigkeit verführen und zu Tränen rühren.

Es ist nicht einfach, für die Vielfalt des Show-Programms die passenden Worte zu finden. Fest steht, dass „Body Talk“ wieder einmal ein wahres Feuerwerk der Turnkunst bietet, das bis zum 24. Januar 2010 mit 30 Vorstellungen in 20 Städten und neun Bundesländern insgesamt etwa 140.000 Zuschauer zu Jubelstürmen hinreißen wird.