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Der Außenseiter gewinnt Derby
Bundesliga-Schlusslicht GWD Minden fegt den TuS N-Lübbecke mit 28:23 von der Platte

von Volker Krusche

Das 57. Derby endete mit einer Riesenüberraschung. Nicht der haushohe Favorit TuS N-Lübbecke hatte die Nase vorn, sondern der krasse Außenseiter TSV GWD Minden. Das Liga-Schlusslicht sicherte sich mit dem 28:23 (16:14) zwei ganz wichtige Punkte – und der TuS N-Lübbecke muss weiter auf seinen ersten Auswärtssieg warten.

Schon die erste Spielhälfte verlief alles andere als prickelnd für den TuS N-Lübbecke. zwar ging dieser durch Arne Niemeyer mit 1:0 in Führung, führte auch noch mit 3:2, doch dann lief plötzlich nicht mehr viel. Dank guter Paraden von Torhüter Katsigiannis übernahm Grün-Weiß nicht nur die Initiative, sondern auch die Führung, die in der 20. Minute durch den bis zur Pause überragenden Aljoscha Schmidt (verwandelte eiskalt alle Strafwürfe) erstmals auf drei Treffer angewachsen war – 11:8. Zwei Minuten später erhöhte Gylfi Gylfason für die Grün-Weißen sogar auf 13:9.

TuS-Trainer Patrik Liljestrand musste seine Auszeit nehmen. Und plötzlich lief es bei Grün-Weiß nicht mehr. Fehlwürfe, technische Fehler. Innerhalb von nur drei Minuten sorgten Tim Remer, der für Alvanos gekommene Heidmar Felixson, Olli Tesch und Arne Niemeyer für den 13:13-Ausgleich. Klare Sache: Auszeit bei GWD. Nach der der Ungar Putics mit seinem ersten Treffer dafür sorgte, dass die Rot-Schwarzen wieder einem Rückstand hinterher laufen mussten. Einem Rückstand, der bis zur Pause wieder auf zwei Treffer – 16:14 für GWD – angewachsen war.

Fazit der ersten 30 Minuten: eine verdiente Halbzeitführung für GWD Minden. Weil die Gastgeber in der Abwehr einfach viel galliger waren als der Kreisrivale, der bis dahin doch sowohl im Angriff als auch in der Abwehr ein wenig pomadig wirkte und vor allem überhaupt keine Möglichkeit fand, seinen Weltklasse-Kreisläufer Frank Løke, der gegen den VfL Gummersbach noch so geglänzt hatte, auch nur ansatzweise ins Spiel zu bringen.

Und wer gedacht hatte, das sich das Spiel des haushohen Favoriten in Durchgang zwei ändern würde, der sah sich bitter getäuscht. Der TuS N-Lübbecke verblieb weiterhin in seiner Lethargie, erinnerte ganz stark an den unseligen Auftritt von vor 14 Tagen in Dormagen.

Nichts war zu sehen von der Aggressivität, mit der man den VfL Gummersbach bezwungen hatte. Man ließ sich von der engagierten, energischen, aggressiven GWD-Abwehr immer wieder den Schneid abkaufen und endete letztlich in einem Gewürge, das an Handball spielen nicht mehr recht erinnerte. Einzelaktionen bestimmten das Bild, die immer wieder im Keim erstickt wurden.

Tja, mit einer solchen Leistung, solch einer Einstellung kann man nicht einmal ein Schlusslicht besiegen. Sah auch TuS-Wirtschaftsbeiratssprecher Armin Gauselmann so, der feststellte: »Wir haben Angsthasenhandball gespielt. Offensichtlich haben einige Akteure bei uns nicht verstanden, um was es hier geht. Das nehme ich schon persönlich!«

Auf dem Spielfeld sah es so aus, dass der knappe Pausenvorsprung von 16:14 schon nach fünf Minuten auf 20:16 ausgebaut worden war. Beim 23:21 hatte man beim TuS - weil GWD leichte Fehler unterliefen – wieder etwas Hoffnungen. Doch die zerplatzten wie Seifenblasen, weil der Hausherr daraus ein 26:21 machte und immer sicherer wurde. Auch die TuS-Auszeit brachte nichts.

 Und als Alvanos in der 59. Minute einen Fehlpass ins Aus spielte, da wussten alle 4015 Zuschauer in der Halle: Jetzt ist es auch Aus. 28:22 stand es – und mehr als ein 28:23 war nicht mehr drin.