|
|
»Das war Arbeitsverweigerung«
Paul Gauselmann außer sich – Trainer-Aussagen stoßen auf
Unverständnis
Ausgelassene
Stimmung im Fan-Keller, wo die GWD-Anhänger mit Trainer Ulf
Shefvert, dessen englische Kommentare von Aljoscha Schmidt
übersetzt wurden, feierten. Und auch im VIP-Raum der Kampa-Halle
herrschte tolle Atmosphäre. Nur den Verantwortlichen des TuS
N-Lübbecke war dort nicht zum Feiern zumute.
»So wie Minden
aufgetreten ist, hätte ich mir das eigentlich von unserer
Mannschaft gewünscht. Doch was die gezeigt hat, war eine
Katastrophe«, blieb TuS-Gesellschafter Reinhard Heidemann
allerdings ruhig, obwohl er gleich doppelten Grund zum
Trübsalblasen hatte. Denn seine »Lieblinge« zogen gleich in zwei
Derbys den Kürzeren. Zum einen der TuS, zum anderen Borussia
Dortmund, das auf Schalke knapp verloren hatte.
Kaum beruhigen
konnte sich indes Hauptsponsor Paul Gauselmann, der, als Zlatko
Feric den VIP-Raum betrat, seine grenzenlose Enttäuschung nicht
verbarg und dem Teammanager für die Spieler ein Straftraining um
6 Uhr in der Früh »vorschlug«. Für die Vorstellung in der
Kampa-Halle hätte er am liebsten gleich Konsequenzen umgesetzt.
»Das war Arbeitsverweigerung. So kann man in einem Derby nicht
auftreten. Das ist nicht zu akzeptieren. Normalerweise müsste
man den Spielernn die Hälfte ihres Gehaltes abziehen!«
Zu diesem
Zeitpunkt hatte sich sein Sohn längst auf den Heimweg gemacht.
Und Armin Gauselmann fühlte gleich doppelten Schmerz, denn neben
dem unsäglichen Auftritt der Mannschaft, der Spuren beim
Wirtschaftsbeirats-Sprecher hinterlassen hatte, schmerzte ihn
auch der Rücken. Seine Bandscheibenverletzung hatte er wegen des
Derbys durch Tabletten zu lindern versucht. »Das war
Angsthasen-Handball. Die Spieler schienen nicht begriffen zu
haben, um was es hier geht. Ganz anders als die Mindener, die
alles gegeben haben und sich den Sieg redlich verdient hatten.
Diese Vorstellung von uns nehme ich persönlich!«
Einig waren sich
Gauselmann, Heidemann und viele andere Lübbecker Sponsoren, dass
sie GWD die Daumen drücken, den Klassenverbleib doch noch zu
schaffen. »Was ist denn eine Saison ohne die Derbys? Wir
brauchen doch einander«, brachte es Reinhard Heidemann auf den
Punkt.
Riesenenttäuschung natürlich auch bei allen anderen Beteiligten.
»GWD hat verdient gewonnen, weil es den größeren Willen und Biss
besaß und sich im Gegensatz zu uns auch als Mannschaft
präsentierte«, sagte Teammanager Zlatko Feric. »Minden war
bereit, mehr zu investieren und wurde dafür belohnt. Die haben
von der ersten Minute an gezeigt, dass sie siegen wollen – und
das habe ich bei uns vermisst.«
»Einmal gewinnt
man, einmal verliert man«, sagte TuS-Trainer Patrik Liljestrand,
der mit seinem Statement wohl nicht zu hart mit seinen Spielern
ins Gericht gehen wollte, damit aber auf Unverständnis bei
einigen Lübbeckern stieß. »Natürlich tut es weh, ein Derby zu
verlieren. Aber es ging doch letztlich nur um zwei Punkte.« Der
Schwede bescheinigte seinen Spielern, dass sie gekämpft und
alles versucht hätten. Auch das dürfte nicht jeder aus dem
TuS-Umfeld so gesehen haben. »Minden war einfach besser. Nicht
zuletzt dank eines überragenden Katsigiannis im Tor.
Normalerweise sind wir es gewohnt, dass wir die besseren
Torhüter haben, womit ich unseren Keepern aber keinen Vorwurf
machen will. Schließlich haben wir als Team verloren.« Die
Abwehr sah Liljestrand nicht als die große Schwäche an. »Wir
lagen zur Halbzeit doch nur mit zwei Toren hinten.« Dass GWD,
bislang dafür bekannt, kaum mehr als 24 Tore in 60 Minuten zu
erzielen, bis zu diesem Zeitpunkt aber bereits 16 Mal ins
Schwarze getroffen hatte, das führte der TuS-Coach nicht auf
fehlende Aggressivität zurück. Ihn ärgerte vielmehr der
Abschluss. »Ich habe gesagt, dass wir hoch werfen sollen, doch
fast alle Bälle kamen flach und waren eine Beute von
Katsigiannis.« Liljestrand musste sich aber auch taktische
Fehler gefallen lassen. So war der Grippe geschwächte Michal
Jurecki nur ein Schatten, erhielt aber viel zu viel Einsatzzeit
und »dankte« dies mit acht Fahrkarten bei nur einem Tor. Viele
hätten da erwartet, dass der allerdings auch blass gebliebene
Arne Niemeyer mehr über die linke Seite gekommen wäre und
Heidmar Felixson auf der Mitte die Fäden gezogen hätte. Ebenso
wäre am Kreis mal ein Wechsel fällig geworden, denn Neuzugang
Frank Løke konnte sich nicht durchsetzen. Da wäre Oliver Tesch,
der die Abläufe im TuS-Angriff besser kennt, vielleicht die
bessere Wahl gewesen.
Fazit: Es war
eben ein Derby, in dem für den TuS nichts passte.
|
|