Fotoserien: Flash-Diashow | Normalansicht

 
 

Handball-Bundesliga
GWD-Minden : VfL Bad Schwartau

Fotos: Bernd Horstmann



15 Minuten stotterte der Motor
GWD Minden behielt daheim aber letztlich mit 33:22 gegen den VfL Bad Schwartau die Oberhand

Von Volker Krusche

Lange Zeit stotterte der Motor, am Ende aber überquerte der Mindener Rennwagen die Ziellinie klar vor dem des Gegners. GWD verteidigte seine Tabellenführung in der 2. Bundesliga gegen den letztjährigen Widersacher VfL Bad Schwartau letztlich noch souverän mit 33:22 (13:10).

Die Knorr-Schützlinge waren als Tabellenvorletzter an die Weser gereist, da sie irgendwie noch nicht in der eingleisigen 2. Bundesliga angekommen waren. Klar, dass sie sich daher auch nicht viel bei ihrem Gastspiel ausrechneten. Umso überraschender war es, dass es nach einer viertel Stunde 6:3 für den VfL stand. Das aber lag weniger an den Marmeladenstädtern, als vielmehr an den gedanklich nicht bei der Sache wirkenden, lethargisch agierenden Hausherren. Die leisteten sich bis zu diesem Zeitpunkt satte elf Ballverluste und luden das Liga-Kellerkind förmlich zum Torewerfen ein. Nur gut, dass das nicht alle Einladungen annahm, was auch an einem erneut gut aufgelegten Anders Persson im Mindener Kasten lag. „Daher bin ich mit meiner Mannschaft auch zufrieden – zumindest mit der ersten Halbzeit“, resümierte VfL-Trainer Thomas Knorr. „Ich habe mich nur etwas über unsere Wurfeffektivität geärgert.“ Das Gezeigte reichte aber aus, um den Favoriten nicht nur zu ärgern, sondern auch sichtlich zu verunsichern. Ulf Schefvert wartete lange, reagierte aber noch rechtzeitig, in dem er seine Mannen in einer Auszeit zusammenrief. Doch erst die Einwechslung von Georg Auerswald in den Abwehr-Mittelblock brachte das Zeichen, das für einen Ruck innerhalb der Mannschaft sorgte. Auerswald ging den seiner Form aus dem Vorjahr nachlaufenden Zweitliga-Torschützenkönig Jan Schult energisch an. Beide stürzten zu Boden – und fortan war mehr Dampf im Mindener Spiel. Hinzu kam die Umbesetzung im Rückraum, aus dem der schwache Nenad Bilbija weichen musste, Dalibor Doder nun im linken Rückraum agierte und Nachwuchsmann Sören Südmeier in der Mitte die Fäden zog. Aus dem Rückstand wurde ein 6:6. Und nach der letzten Schwartauer Führung (7:6) drehte GWD den Spieß zum 10:7 (27.) um. „Etwas glücklich“, wie auch Schefvert bekannte. „Wir haben in zehn Minuten mehr Fehler gemacht, als in 60 Minuten in Leipzig.“ Zumindest mit den nur zehn Gegentoren konnte sich der Schwede anfreunden.

Nach dem Wechsel sorgte der Liga-Primus und Aufstiegs-Topfavorit dann jedoch schnell für klare Verhältnisse. Zwar konnte nach wie vor nicht von einer Gala die Rede sein, aber ordentliche Hausmannskost kann ja durchaus auch mal schmecken. Die Deckung stand jetzt gut, so dass man einige Bälle anfangen und durch Konter – insbesondere durch den überzeugenden Aljoscha Schmidt – verwerten konnte. Über 16:10 enteilten die Hausherren auf 20:12 (39.) und hatten die anvisierten Punkte im Sack. „Auch, weil wir in der zweiten Hälfte unser anderes Gesicht gezeigt haben. Am liebsten hätte ich das gar nicht gesehen“, so Knorr. „Eben wegschauen und daran erinnern, was in der ersten Halbzeit war.“ Beim 29:16 (50.) betrug der Vorsprung der Grün-Weißen dann sogar 13 Tore. Die Partie war gelaufen, der Rest nur noch Vorbereitung auf das folgende Oktoberfest im Foyer der Kampa-Halle. Fazit Ulf Schefvert: „In den letzten beiden Heimspielen gegen Saarlouis und Korschenbroich war es für uns ganz einfach, zu gewinnen. Da waren die Spiele schon nach 15 Minuten gelaufen. Aber Bad Schwartau ist trotz des Tabellenstandes ein anderes Kaliber, verfügt über mehr Qualität. Das hat man heute auch gesehen.“ Deshalb gibt Thomas Knorr auch seine Devise aus: „Nächste Woche geht es für uns jetzt richtig los.“ Anders als bei den Grün-Weißen. Die haben jetzt erst mal bis zum 1. November spielfrei. „Danach folgen aber in zwei Monaten zwölf Spiele. Für die müssen wir gewappnet sein“, so Schefvert, der in der Vorbereitung, in der die Jungen Montag und Dienstag, die Älteren dann am Wochenende frei haben, auch zu ungewöhnlichen Methoden greift: In einer Woche bestreitet sein Team ein Box-Training. Aber nur, um den Gegner bildlich gesehen K.o. zu schlagen.

 

GWD-Telegramm

GWD Minden - VfL Bad Schwartau 33:22 (13:10)

GWD Minden: Persson (14/1 Paraden), Vortmann (bei drei 7m); Andersson (4), Oevermann, Bartsch (1), Auerswald, Steinert (1), Helmdach (n.e.), Südmeier (3), Schmidt (9/2), Svitlica (7/1), Doder (4), Klesniks (2), Bilbija (2)

VfL Bad Schwartau: Panzer (4 P.), Mahncke (ab 37.; 4 P.); Hansen (1), Podpolinski (4), Reiter (1), Wagner (3/1), Märtner (1), Zeschke (3), Hinrichsen (4/1), Schult (1), Kretschmer, Tretow (4/3), Dombrowski

Schiedsrichter: Frank Böllhoff und Ludger Lückert (Velbert/Bedburg)

Zuschauer: 2.100

Torfolge: 0:1, 2:1, 2:2, 3:2 (11.), 3:6 (15.), 6:6 (21.), 6:7, 10:7 (27.), 10:8, 11:8,. 11:9, 13:9, 13:10 – 16:10 (34.), 16:11, 19:11 (37.), 19:12, 20:12, 20:14, 23:14 (43.), 23:15, 24:15, 26:15 (46.), 26:16, 29:16 (50.), 29:17, 30:17, 30:18, 31:18, 31:20, 32:20, 32:21, 33:21, 33:22

Siebenmeter: 3/3 : 8/5 (Tretow scheitert an Persson und am Pfosten, Hinrichsen scheitert an der Latte)

Strafminuten: 6 : 6 (Auerswald, Doder, Bilbija – Podpolinski 2x, Hinrichsen)



17.10.2011